Ein neues Zuhause für Trylle?

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Immer wieder kommt die Frage auf, ob es nicht einfacher wäre, für Trylle ein neues Zuhause zu suchen. Und ich muss ehrlich sagen: ja das wäre es! Natürlich wäre es einfacher, er könnte in einem Aktivstall oder Paddock Trail leben, einfach raus und rein laufen wie er möchte und niemand müsste ihn anfassen. Er müsste nicht jeden Morgen ein Halfter angezogen bekommen, um mit den anderen beiden zusammen an dem Stückchen Landstraße entlang geführt zu werden auf die Koppel oder den Paddock. Er müsste auch nicht abends auf die gleiche Weise wieder eingesammelt und herein gebracht werden.

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Denn das kostet mich sehr viel Zeit und Nerven kann ich verraten. Mittlerweile hat er zwar die Stallbesitzerin akzeptiert, so dass sie einige dieser Dienste für mich übernimmt netterweise, aber alle anderen Menschen um ihn herum werden tagesformabhängig eingeschätzt offenbar. Einige Zeit durften sechs verschiedene Menschen, davon sogar 2 Männer mit meinem Freund zusammen, ihn anfassen, halftern und führen. Wir haben ganz fleißig geübt gehabt. Von einem auf den anderen Tag sortiert er diese Leute dann wieder aus, obwohl nichts passiert ist. Wirklich garnichts. Ich werde wohl nie verstehen was ihn dazu bewegt, denn er ist nun fast ein Jahr bei mir und ich kann nach wie vor keinerlei Muster in diesen Entscheidungen erkennen.

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Nun komme ich also wieder selbst die meiste Zeit und bringe ihn raus oder rein. Wenn ich mal nicht da sein kann oder gar wage in den Urlaub fahren zu wollen, muss die Stallbesitzerin alles für mich übernehmen. Und wir hoffen sehr, dass er sie nicht auch irgendwann aussortiert.  Würde er also auf eine große Koppel, in einen Aktivstall oder ähnliches ziehen wäre es wohl für alle deutlich einfacher.

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Eine andere Überlegung, die ich in so mancher Stunde die ich besonders anfangs abends auf der Koppel stand und gebetet habe, dass er sich irgendwann erbarmt und mit mir rein kommt, ist ein Tierpark oder Zoo. Ein Streichelzoo wäre nun vielleicht ein wenig fies, aber ein Tierpark, wo er mit anderen Ponys, Eseln oder Ziegen zusammen leben dürfte und einfach nichts machen muss, außer süß aussehen und Futter abstauben. Das hab ich mir immer ziemlich ideal für ihn vorgestellt.

Er hat zwar mittlerweile wirklich Spaß an unserer gemeinsamen Zeit gefunden, er steht immer als erstes am Zaun, wenn ich komme und brummelt mir zu. Ruft mir hinterher, wenn ich nicht schnell genug aus der Sattelkammer zurückkomme, um ihn heraus zu holen oder wenigstens anständig zu begrüßen! Aber Trylle ist kein Arbeitstier, sobald es anstrengend wird, macht er lieber Pausen. Das ist ok, Faxe ist da halt anders. Ich denke sie wären kein gutes Zweiergespann vor der Kutsche, Faxe würde die ganze Arbeit alleine machen.

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Doch trotz all dieser Punkte, Schwierigkeiten, viel Zeitaufwand und Problemen steht schon lange fest: Trylle wird kein neues Zuhause bekommen! Er gehört zu uns, so anders er auch sein mag, er passt perfekt in unsere Runde. Faxe hat einen besten Freund gefunden zum kraulen und spielen und Merlin hat den kleinen Mann sowieso ganz schnell adoptiert gehabt als Chef im Miniland.

Wir haben ein bisschen Zeit gebraucht, bis wir ein Team geworden sind, aber nun ist er das anhänglichste Tier von allen. Nicht nur, dass er mich immer begrüßt und aufmerksam ist, sobald ich da bin, er galoppiert mir abends schon so manches Mal entgegen auf der Koppel, sobald er mich rufen hört. Hüpft geradezu übereifrig in sein Halfter und folgt mir immerzu auf Schritt und Tritt. Nur eben nicht immer, sondern dann wenn er möchte.

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Bei Spaziergängen versteckt er sich hinter mir, wenn er Angst hat und lässt sich bereitwillig überreden, sich der Gefahr zu stellen und sie gemeinsam anzuschauen. Neue Herausforderungen nimmt er mittlerweile begeistert an und scheint ein fast unerschütterliches Vertrauen in mich bekommen zu haben. Wenn ich mal keine Zeit für ihn habe ist er nie nachtragend, aber er ist traurig darüber.

Genau das ist der Grund, weswegen ich ihn nicht hergeben könnte. Er mag schwierig sein im Umgang, vor allem was fremde Menschen in einem Alltag anbelangt, aber wenn man ihn nimmt, wie er ist, ein „Ein-Frau-Muli“ ist er die treuste Seele, die ich bisher kennenlernen durfte! Er würde sich bestimmt auch wo anders eingewöhnen und sich an jemand neues binden können, aber wieso sollte er? Ich wollte ein drittes Pferd, nun ist es eben ein Zwergmuli geworden, das ändert aber soweit nichts. Der Plan mal zweispännig Kutsche zu fahren hat sich geändert, aber so ist das nun mal im Leben. Ich bereue es keinen Moment.

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Also bliebe nur noch die Idee, es uns einfacher zu machen, indem er zwar in meinem Besitz bleibt, aber in einen anderen Stall umzieht. Doch wer die drei Ponys mal miteinander erlebt hat und beobachten konnte, was für ein eingespieltes Team sie sind, der würde sofort verstehen, wieso das eigentlich noch nie eine ernsthafte Überlegung für mich war. Ich würde ihnen einen Freund nehmen, damit ich es einfach habe. Und hätte ich es wirklich einfacher, wenn ich jeden Tag in zwei verschiedene Ställe fahren müsste? Ich denke nicht.

Natürlich ändern sich Lebensumstände, weswegen ich es niemals komplett ausschließen würde, dass eine der Optionen doch nochmal interessant werden könnte, aber so ist das doch immer im Leben. Die wünschenswerteste Planänderung wäre dann doch noch ein eigener Stall am Haus, in den die drei Jungs umziehen und ihr restliches Leben genießen dürften.

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Ich hoffe damit hören die Fragen, ob er verkäuflich ist oder ich ihn loswerden will ein bisschen auf. Trylle gehört zu uns und soll es auch bleiben!

3 Gedanken zu “Ein neues Zuhause für Trylle?

  1. Ein sehr schöner Text! Ich freue mich, dass er bei dir bleibt. Deine Beschreibung trifft akkurat auf eine mulipersonlichkeit zu. Die perfekte Mischung aus Pferd und Esel.
    Ich habe deinen Blog durch ein paar Pinterest posts zu Longenarbeit gefunden und seit ich trylle in einem Beitrag entdeckt habe, habe ich mir deinen Blog etwas genauer angesehen. Du bist mir sehr sympathisch und ich finde es super, wie du über den kleinen Mann schreibst. Mulis und auch Esel haben es in einer Pferde/Reiterwelt nun Mal nicht einfach, weil Pferdemenschen eine gewisse Erwartungshaltung, wie ein Pferd agieren und was es können muss, auch auf Esel und Mulis projeziert. Das funktioniert aber nun Mal nicht so. Sie sind viel vorsichtiger als Pferde und mit zu viel Druck erreicht man zumeist das Gegenteil. Sie sind einfach ganz anders als Pferde. Ich lasse bei meinen Eseln und auch bei den Mulis, die ich kenne, viel mehr Nähe zu als ich das beispielsweise bei meinen Ponies bzw. In einer Pferdeherde tun würde.

    Durch trylle habe ich mir auch andere Blog-Einträge angesehen. Ich habe immer noch keinen passenden kappzaum für meine Welsh mountain Ponies gefunden, die ebenfalls Shettygröße tragen. Besteht die Möglichkeit, dass du auch kappzaume nach Maß für jemanden machen würdest? Habe gesehen, dass du einen Shop hast.

    Die Fahrtrense von Faxe sieht auch richtig schön aus! Hast du die auch selbst gemacht?

    LG Anne

    • Hey!
      Vielen Dank! =)
      Ich fertige kein Zubehör mehr im Auftrag, tut mir leid. In meinem Shop findest du aber eine genaue Schritt-für-Schritt Anleitung um einen Biothane-Kappzaum selbst zu machen, vielleicht wäre das etwas für dich?
      Die Fahrtrense habe ich auch aus Biothane selbst gemacht, danke!
      Viele Grüße
      Lina

  2. Ein Familienmitglied eben 😉

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