Powerpflanze Brennnessel

Die Brennnessel ist eine der ältesten bekannten Heilpflanzen der Welt. Leider wird sie heutzutage von vielen Menschen nicht mehr wertgeschätzt und als lästiges Unkraut angesehen. Dabei sollte sie auf keiner Pferdekoppel fehlen, auch wegen ihrer wichtigen Bedeutung als Futterpflanze für Schmetterlinge.

Brennnessel enthält zahlreiche fürs Pferd wichtige Inhaltsstoffe. Sie ist reich an Vitamin A, C und E und enthält viele Mineralien wie Magnesium, Kalium, Phosphor, Natrium, Eisen und Schwefel, sowie Kieselsäure, Kaffeoyläpfelsäure, Gerbstoffe, Eiweiß, Kohlenhydrate, ungesättigte Fettsäuren und vieles mehr. Eine echte Powerpflanze für eine natürliche Versorgung des Pferdes mit den verschiedensten Stoffen.

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Im Vergleich zu anderen Pflanzen enthält Brennnessel viel Eiweiß, was ein wichtiger Stoff für Muskeln und Bindegewebe, aber auch für das Immunsystem und den Hormonhaushalt ist. Ein Überschuss an Eiweiß ist allerdings auch nicht gesund, weshalb es bei der gesamten Fütterung berücksichtigt werden sollte. Vorsicht ist auch bei Pferden mit Hufrehe oder bereits zu dicken Pferden geboten, da Brennnessel ebenfalls recht viele Kohlenhydrate enthält.

Die enthaltenen Gerbstoffe wirken vor allem im Magen-Darm-Trakt der Pferde. Gerbstoffe sind entzündungshemmend und haben die besondere Eigenschaft sich mit Eiweiß zu verbinden, was zusammenziehend (adstringierend) wirkt im Darm. Sie können auf diese Weise zum Beispiel Bakterien und anderen fäulniserregenden Stoffen das Eiweiß entziehen und diese dadurch unschädlich machen. Daher eignet sich Brennnessel super für Pferde mit Durchfall oder Kotwasserproblemen.

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Das reichlich enthaltene Kalium wirkt sich positiv auf das gesamte körperliche Gleichgewicht aus. Zudem ist es großteils für die harntreibende Wirkung der Brennnessel verantwortlich. Dadurch werden die Nieren durchgespült, was den gesamten Organismus des Pferdes entlastet und entgiftet. Das macht sie auch zur interessanten Pflanze bei Arthrose und ähnlichen Beschwerden. Wichtig ist, immer darauf zu achten, dass dem Pferd ausreichend frisches Wasser zur Verfügung steht, um den gesteigerten Flüssigkeitsbedarf zu decken.

Äußerlich angewandt, zum Beispiel in Form eines starken Tees oder Suds, kann man besonders bei Sommerekzem viel erreichen. Hier hilft die entzündungshemmende und heilungsfördernde Wirkung der Brennnessel dem Pferd.

Brennnessel wirkt blutbildend, blutreinigend, entzündungshemmend, entgiftend und regt den gesamten Stoffwechsel des Pferdes an. Dadurch eignet sie sich prima für eine bis zu 6 Wochen lange Frühjahrskur. Die einfachste Form Brennnessel zu füttern, ist auf der Koppel vorhandene Pflanzen mit der Hand abzumähen und dort direkt zum Trocknen liegen zu lassen. Sobald sie getrocknet sind, fressen die Pferde sie meist sehr gerne, einige mögen die Pflanzen auch bereits im welken Zustand.

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Ich mähe bei gutem Wetter ca. jeden dritten Tag ein wenig Brennnessel für meine beiden Ponys und lasse sie dort einfach liegen. Sie fressen dann nach Lust oder Bedarf so viel sie davon mögen.

Brennnessel ist als Pflanze auch von unerfahrenen Kräuterhexen leicht zu erkennen. Sie kann fast überall problemlos mit Handschuhen gesammelt werden, nur möglichst nicht direkt an viel befahrenen Straßen. Grundsätzlich gilt Brennnessel als Stickstoffanzeiger im Boden.

Es wird zwischen der großen und kleinen Brennnessel unterschieden, beide haben aber die gleiche medizinische Wirkung. Als homöopathisches Mittel kommt sie unter dem Namen „Urtica urens“ ebenfalls zum Einsatz.

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Getrocknete Pflanzen können den Pferden auch zum Heu angeboten oder zerkleinert unter das Kraftfutter gemischt werden. Etwas Löwenzahn ergänzt die 3 bis 6 Wochen lange Kur prima. Ein durchschnittliches Großpferd bekäme täglich 2 Hände voll Brennnessel zum Futter oder eine ähnliche Menge auf der Koppel abgemäht. Über diesen beschränkten Zeitraum ist bei einem gesunden Pferd aber auch nichts zu befürchten, wenn mehr Brennnessel aufgenommen wird, sofern ansonsten ausreichend Heu/Gras und Wasser vorhanden ist.

Bei uns gibt es nun die nächsten Wochen auf der Koppel abgemähte Brennnesseln zur freien Verfügung. Das ist gesund für die Ponys und die Koppel wird gepflegt, eine gute Kombination. Dabei achte ich den Schmetterlingen zu liebe und um etwas mehr Struktur auf der Koppel zu haben aber darauf, immer kleine Inseln stehen zu lassen.

Literatur:
Jänicke; Grünwald; Brendler: Handbuch Phytotherapie, WVg 2003
Fintelmann: Weiss: Lehrbuch Phytotherapie, Hippokrates 2006
Meyer: Coenen: Pferdefütterung, Parey 2002
Holena, Hilke: Kräuter Heilkunde für Pferde, BLV 1997
Wittek, Cornelia: Kräuter und Tees für Pferde, Kosmos 2002

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