Vergiss nie, wo du herkommst!

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Ich habe gerade ein älteres Bild von Merlin und mir gefunden und es hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich war noch ein ganzes Stück leichter damals, er hatte noch eine lange Wuschelmähne, das Bild muss von 2007 sein ungefähr.

Der Unterhals ist rausgedrückt, der Rücken arbeitet nicht mit und er läuft zu stark auf der Vorhand. Er hat einen Wintec Sattel und ein kürzer geknotetes Martingal an, ich sitze mit Sporen drauf.

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Damals wusste ich es nicht besser! Habe es so „gezeigt“ bekommen und mit viel Kraft versucht es nachzureiten. Mit mäßigem Erfolg wie man sich vorstellen kann.

Merlin stammt aus einem Touristenstall in Dänemark. Er wurde dort abgegeben weil er seinen Job nicht mehr mochte und das mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zeigte schließlich. Wir haben lange gearbeitet bis ich ihn überhaupt wieder geritten bin, aber nun rückblickend muss ich sagen, er kam ein wenig vom Regen in die Traufe damals.

Dort stand er in einem Offenstall zusammen mit anderen Ponys, nachts auf der Koppel. er wurde 3mal täglich bewegt bei Ausritten oder Ponyreiten, sicherlich waren auch mal blöde Reiter dabei, aber solang er brav hinterherlief war sein Leben sicherlich nicht das schlimmste.

Bei mir kam er dann in eine recht kleine Gitterbox in einem dunklen Stall. Im Sommer ging es für ein paar Stunden auf eine handtuchgroße Koppel, im Winter blieben die Pferde drin.

Das erste eigene Pferd hat es vielleicht immer etwas schwer, vor allem wenn man es mit 15 bekommt und recht alleine da steht, sich an den anderen orientiert die in den klassischen Reitställen so sind, aber ich bin wirklich nicht stolz wie lange es doch gebraucht hat, bis wir das richtige für uns gefunden hatten.

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Die Zeiten sind lange rum, Merlin lebt heute in einem schönen, großen Aktiv-Offenstall mit täglich zusätzlichem, stundenlagen Weidegang in der Gruppe. Die Ausrüstung wurde verbessert und wir haben eine ganz tolle Reitlehrerin an unserer Seite.

Aber es war ein weiter Weg für uns! Und man sollte nie vergessen, wie man angefangen hat und dass man noch lange nicht am Ziel ist!

Wenn ihr das nächste Mal andere Reiter zerfleischt im Internet oder an der Bande, denkt einmal daran zurück wie ihr vielleicht angefangen habt und seid etwas sanfter. Natürlich muss nicht jeder die gleichen Fehler machen, aber von unsachlicher Kritik kann niemand profitieren!

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Hätte ich damals nette Menschen um mich gehabt, die mir manches erklärt hätten, wären wir wohl schneller dahin gekommen, wo wir heute sind.

3 Gedanken zu “Vergiss nie, wo du herkommst!

  1. Respekt! Selten habe ich einen Profi, (und du schreibst mit so viel Selbstreflektion, gut recherchiertem und sicherlich auch persönlich erworbenem Wissen, das ist für mich ein absolut professionelles Verhalten), so ehrlich und neutral schreiben sehen. Diese Demut vor eigenen, vergangenen Fehlern, (ohne falscher Wehmut, denn an vergangenen Fehlern können wir nun mal nichts ändern, nur daraus lernen).
    Es ist normalerweise nicht meine Art Kommentare solcher Art im Netz abzugeben, aber deine Artikel sind absolut lesenswert.
    Wir betreiben seit vielen Jahren ein Reitsportgeschäft, eine kleine Offenstall Reitanlage und ich gebe seit vielen Jahren Reitunterricht, mit dem Ziel Reitern Liebe und Spaß am Pferd zu lehren und dabei gegenseitigen Respekt ( auch dem Pferd gegenüber!) zu vermitteln.
    Deine Seite berät ohne erhobenen Zeigefinger, auf so einfachem Niveau ohne „Fachchinesisch“, daß man auch ohne große Fachkenntnisse verstehen kann was du vermitteln möchtest. Genau so erreicht man eine breite Masse an Lernwilligen und genau das macht für viele Pferde ihr Leben ein kleines bisschen angenehmer! Nochmal: Respekt und gerne werde ich in Zukunft deine Seite weiterverfolgen! Ich habe auch kein Problem damit das dieser Kommentar mit unserem Namen veröffentlicht wird ☺️
    Marion Guhs
    Finca Haideck

  2. Sehr schön geschrieben, Lina. Du hast den Nagel genau auf den Kopf getroffen :-)

    So ein gemeinsamer Weg hat viele Umwege, Abzweigungen oder Sackgassen. Da ist es nicht immer einfach den Richtigen zu finden….zumal einem teilweise erst die Irrwege zum Nachdenken und damit ein Stück in die richtige Richtung bringen. Ich habe mich in vielen deiner Schilderungen wiedergefunden und versuche vieles snders als früher zu machen. Trotzdem muss ich noch zu viele Kompromisse eingehen und das macht es einem im Herzen manchmal schwer :-(

    Freu mich über deinen Blog und noch viele anregende Themen, Gedanken und Inspirationen….

    Lg Judith

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