Dressur im Gelände

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Die Natur um uns herum bietet so viele verschiedene Trainingsmöglichkeiten, man sollte das viel mehr nutzen. Also habe ich mich mit Merlin die letzten Wochen gezielt mit der Idee „Dressurtraining“ auf den Weg ins Gelände gemacht.

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Nach dem Warmreiten im Schritt am langen Zügel, hab ich ihn langsam aufgenommen und wir haben den Wegrand des Asphaltwegs für einige Schritte Schulterherein in beide Richtungen genutzt. Den ersten Wiesenweg trabten wir locker im vorwärts-abwärts hinauf und er lief direkt locker und entspannt. So nutzten wir die nächsten Wege für die verschiedenen Seitengänge, zuerst im Schritt und bei geeigneten Wegen auch im Trab. Manchmal reicht schon ein gemähter Seitenstreifen für einige Tritte Travers.

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Wichtig für die Seitengänge ist bei mir zurzeit noch eine optische Orientierung. Sehr schnell verliere ich sonst mal die gerade Linie und es wird alles schief und schepp. Deswegen nutze ich dazu gerne Wege und Wegränder. Traversalen dagegen kann man auch super auf einer offenen Wiese oder einem Stoppelfeld üben. Hierbei hilft mir der viele Platz, nicht so viel ins Seitwärts zu wollen, sondern auch das Vorwärts im Auge zu behalten. Man hat einfach keinen fixen Punkt an dem man ankommen muss, wie zum Beispiel auf dem Reitplatz.

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Etwas fortgeschrittener können dann auch breite Wege für Zick-Zack-Traversalen von Wegrand zu Wegrand genutzt werden. Oder anstatt das Viereck zu verkleinern und vergrößern, nähert man sich dem Seitenstreifen und entfernt sich dann wieder. Alle diese Übungen lockern das Pferd, trainieren die Muskulatur und machen es geschmeidig.

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Wege mit weichem Boden und leichter Steigung nutzen wir gerne für das Galopptraining. Beispielsweise lassen sich darauf einfache Galoppwechsel und später sicher auch fliegende Galoppwechsel  super üben. Oder auch Seitengänge und Tritte verkürzen und zulegen. Man hat einfach eine viel längere gerade Strecke und muss nicht ständig durch die Ecken reiten. Auch Zirkuslektionen baue ich zwischendrin gerne mal ein. Der Spanische Schritt zum Beispiel ist auf einem leicht ansteigenden Weg toll zu trainieren.

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Übergänge lassen sich draußen ebenfalls super üben. Sowohl Übergänge zwischen den Gangarten, als auch Tempowechsel innerhalb einer Gangart. Das Vorwärts ist im Gelände meistens viel natürlicher erhalten und ich kann mich mehr auf die Übungen selbst konzentrieren, anstatt stets darauf achten zu müssen, dass er mir nicht ausfällt. Gleichzeitig ist es auch eine tolle Übung fürs Pferd, auch draußen immer an den Hilfen zu bleiben und nicht einfach „sein Ding“ auf der Galoppstrecke zu machen.

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Die unterschiedlichen Böden, die mal weicher und mal härter sind, manchmal ganz gerade und manchmal recht uneben, fordern das Pferd viel intensiver als auf dem Reitplatz. Es muss sich nicht nur auf die Arbeit konzentrieren, sondern auch auf den Boden achten und seine Umwelt im Blick behalten. Durch leichte Steigungen oder Gefälle, sowie die unterschiedlichen Untergründe, werden auch die Muskeln, Bänder und Sehnen mit immer neuen Reizen gestärkt.

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Ich merke, wie schnell sich das Geländetraining auch positiv auf dem Platz bemerkbar macht. Wer im Trab einige Meter im korrekten Schulterherein bergauf zurücklegen kann, der schnurrt auf dem geraden Platz dabei auf einmal noch geschmeidiger vor sich hin.

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Den Heimweg nutze ich dann gerne nochmal für die Schrittarbeit. Rückwärtsrichten eine kleine Steigung hoch ist zum Beispiel eine tolle Übung für die Hinterhand. Oder auch Vorhand- und Hinterhandwendungen am Wegrand. Die letzten 10 Minuten geht es dann wieder entspannt am langen Zügel nach Hause oder ist steige sogar ab und führe heim.

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Wichtig beim Training bleibt aber immer die Sicherheit. Dazu gehört es auch, nicht über Wiesen oder Stoppelfelder zu reiten, bei denen man den Boden nicht kennt. Ein tiefes Loch oder ein Draht können sehr böse enden. Zudem sollte man immer die Erlaubnis des Eigentümers  haben, wenn man außerhalb der erlaubten Wege reitet! Ich reite Stoppelfelder beispielsweise nach Erlaubnis zuerst im Schritt ab und übe dabei verschiedene Dinge, bevor ich sie danach in höheren Gangarten nutze.

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Der Fantasie sind im Geländetraining eigentlich keine Grenzen gesetzt, man kann das Training immer auf die Witterungsverhältnisse und den Trainingszustand anpassen. Bei sehr matschigem Boden oder Frost sind die Pferde stärker mit der Trittsicherheit beschäftigt und ich fordere weniger, als bei trockenem Boden. Wenn es sehr warm ist, konzentrieren wir uns stärker auf Übungen im Schritt und bei kalten Temperaturen plane ich ausreichend Zeit zum Trockenreiten ein oder arbeite direkt so, dass Merlin kaum schwitzt.

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Man kann zum Beispiel auch super Bäume und Sträucher für Biegungen, Zirkel oder Volten nutzen, wir haben dazu aber bisher noch keine geeignete Strecke für uns gefunden.

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Bei allem sollte aber natürlich auch der Spaß nicht vergessen werden! Wir nutzen die Ausritte auch immer noch gerne, um einfach nur die Seele baumeln zu lassen. Oder kombinieren beides. Daher belohne ich eine gute Übung auch immer umgehend mit einer Pause am langen Zügel. Das motiviert ihn unheimlich. Wir haben sogar schon nach einer tollen Galoppstrecke mit ganz gesetzten und flüssigen einfachen Wechseln angehalten und er durfte ohne Gebiss etwas grasen. Da darf man einfach auch auf die Wünsche des eigenen Pferdes hören!

Einen tollen Artikel zum Thema Loben findet ihr bei Tash-Horseexperience!

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Wir werden das Geländetraining auf jeden Fall nun regelmäßig einbauen und nach immer neuen tollen Wegen und möglichen Übungen suchen. Außerdem werde ich die ganze Idee mal mit den Minis vom Boden aus testen. Wenn ihr wollt, kann ich darüber dann auch demnächst mal berichten. Am Boden arbeitet man ja dann doch ein wenig anders, allein schon weil meine Kondition wohl nicht so viele Wege im Galopp am Langzügel mithält, wie ich es geritten schaffe.

Weitere tolle Ideen fürs Geländetraining findet ihr bei Kultreiter. Die Pferdefreunde gehen der Frage nach, wieso Dressur auch für alle Freizeitreiter wichtig ist und wie man sie in das tägliche Training integriert.

Nutzt ihr das Gelände auch gezielt fürs Dressurtraining? Oder wollt ihr dort lieber ausspannen und die Natur genießen?

6 Gedanken zu “Dressur im Gelände

  1. Das ist eigentlich kein Kommentar, aber ich musste gerade kräftig schmunzeln: Beim Lesen des Artikels ging mir der Gedanke nicht aus dem Kopf, dass irgendwas fürchterlich bekannt aussieht… und dann fiel mir auf, dass es die Feldwege und die Berge im Hintergrund sind. Da kam ich erstmals auf die Idee, einen Blick ins Impressum zu werfen. Danach war dann alles klar: Mein Puschelpony steht nämlich quasi ’nebenan‘ – in Liederbach. Das erklärt die bekannte Kulisse!

    Liebe Grüße von den Nachbarn
    Celina und Lauser

  2. […] Lesetipp: Mehr Ideen zum Training im Gelände findest Du hier bei Kultreiter und hier bei Nordfalben. […]

  3. […] Lina von Nordfalben nimmt euch mit auf einen gymnastizierenden Ritt durchs Gelände. […]

  4. […] Tipps und Übungen, mit denen du dein Pferd auch im Gelände gymnastizieren kannst, findest du hier bei […]

  5. Anna Niemczyk

    Hi,
    also ich mache das auch sehr gerne mit Dressurtraining im Gelände, vor allem da mein Pferd aus verschiedenen Gründen im Gelände einfach deutlich motivierter, offener für Neues und vor allem entspannter ist. Wir gehen allerdings auch immer wieder zum entspannen raus.
    Was wir machen entscheide ich eher indirekt, nämlich zu Beginn, wenn eh noch Schritt und aufwärmen angesagt ist, guck ich wozu Landina Bock hat, wie sie drauf ist und überlegt auch was so an den Tagen vorher gemacht wurde. Jetzt in der totalen Viecher Zeit hing auch davon ab, können wir überhaupt einen dazu geeigneten Weg gehen oder werden wir aufgefressen?
    Ein sehr guter Vorteil von Dressurarbeit im Geläde ist auch die Ablenkung. Da Landina jetzt eine längere Zeit schon Verletzt ist und ich in der Zeit nur führe, wird sie so langsam etwas kribbelig und regt sich schon mal schneller auf. Da ich an der Hand aber nicht so viele Möglichkeiten habe, sie auf zu halten, wenn sie wirklich weg will, versuche ich solche Situationen so gut wie möglich zu umgehen. Das heißt, wenn ich merke, irgendwas bringt sie gerade aus dem Konzept und macht sie Nervös, frage ich etwas Schulterherein an der Hand ab, mach viele Tempiwechsel im Schritt oder lass sie plötzlich mitten auf dem Weg eine ordentliche Volte mit Stellung und Biegung machen. Dadurch ist sie meistens sehr schnell wieder ruhig und abgelenkt und wir können ganz entspannt unseren Weg fortsetzten.
    Viele Grüße Anna und Landina

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