Winterblues und Dunkelheit

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Es wird verdammt früh dunkel in letzter Zeit. Und es ist so unglaublich kalt draußen. Und nass. Wenn doch wenigstens der Wind nicht wäre! Letztes Jahr war es nicht so matschig überall. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass ich letztes Jahr so oft kleine plüschige Matschkugeln mit Ohren vorgefunden habe. Da konnte ich viel besser mit den Ponys arbeiten und war nicht über die Hälfte der Zeit nur mit dem Abkratzen des eingetrockneten Matschs beschäftigt. Ich bin mir sicher!

 Winterblues Matschponys

Ohje, und dann kommt auch bald schon wieder der Fellwechsel. Ich sehe schon jetzt immer aus wie ein eingestaubter Eskimo, doch dann kleben auch noch überall Haare an mir. Vielleicht hätte ich doch lieber scheren sollen? Dann würde der Fellwechsel beim Putzen nicht so intensiv ausfallen und vor allem könnte ich dann auch ungehindert trainieren. Ohne Rücksicht, ob das Pferd schon nach der zweiten Runde Galopp so geschwitzt ist, dass ich mindestens eine Stunde Trockenführen müsste.

Besser noch, denn dann wären sie sogar eingedeckt und könnten erst gar nicht so schmutzig werden!

 Winterblues Matschponys

Ach nee, ich wollte ja nicht scheren, um nicht ständig nach den Decken schauen zu müssen und den Ponys ihre Freiheit und natürliche Thermoregulation zu lassen… Eigentlich ist das Reiten oder insgesamt das Training nicht wirklich wichtig für uns! Im Winter wird eben alles etwas ruhiger und gemütlicher angegangen und man festigt die Feinheiten im Schritt, geht gemütlich spazieren oder übt neue Zirkustricks. Ist doch auch ganz schön, wenn man es mal so sieht. Wäre es nur nicht so furchtbar dunkel, nass, kalt und dreckig.

Ja ich gebe zu, manchmal beneide ich Menschen, die so weise waren und sich für ein Indoor-Hobby entschieden haben. Als Kind fand ich die Winterzeit im Stall aber auch nicht so schlimm wie heute, meine ich mich zumindest zu erinnern. Hängt es mit dem Alter zusammen? Wenn man jeden Monat selbst einen großen Batzen Geld dafür zahlen muss, dass sich die Pferde täglich in rollende Matschklumpen verwandeln können und man das bisschen Zeit nach Feierabend dann dafür nutzen darf, sie von diesem wieder zu befreien. Nur dafür, dass es am nächsten Tag wieder von vorne beginnt. Ja vielleicht hängt es wirklich auch damit zusammen.

 Winterblues Matschponys

Es hängt aber auch ganz entscheidend damit zusammen, wie wir die Dinge um uns herum sehen. Sind wir genervt und gestresst, wird ganz schnell alles ätzend. Nun hat man das aber nur ein Stück weit selbst in der Hand und das Wetter können wir leider nicht ändern. Es bleibt also nur, sich damit zu arrangieren. Einen Weg zu finden, dass die Freude und der Spaß am Hobby Pferd nicht auf der Strecke bleiben, sich aber gleichzeitig auch den Druck zu nehmen, egal bei welchen Bedingungen ein konstantes Training durchziehen zu wollen.

Wenn unser kleiner Reitplatz gefroren ist und damit auch die Wege im Gelände knochenhart sind, kann ich mir noch so sehr vorgenommen haben, heute endlich weiter an den Trabtraversalen zu arbeiten, es geht dann eben nicht. Das Travers im Schritt weiter zu verfeinern, geht aber meist. Denn das lässt sich auch auf hartem Boden, in einer kleinen Einheit erarbeiten und vielleicht bringt mich genau das ein ganzes Stück näher an meine Trabtraversale! Mehr sogar, als es eine intensive Einheit auf dem Platz gemacht hätte. Ich weiß es nicht sicher, aber die Option allein beruhigt mich und nimmt mir den selbstgemachten Druck.

Es geht also darum, zu akzeptieren, dass manche Dinge sind, wie sie sind. Ziemlich wahrscheinlich war es im letzten Winter nämlich nicht wirklich viel anders, wir haben es nur den Sommer über vergessen oder verdrängt. Genau das tröstet einen über viele ernüchternde Winterphasen hinweg: Der nächste Sommer kommt bestimmt! Und wenn er da ist, fluchen wir darüber, dass es so unglaublich heiß ist und wir nicht vernünftig arbeiten können, weil das Pferd schon beim Rumstehen schwitzt. Also freuen wir uns lieber auf den Frühling? Da hat man weder die Winter-, noch die Sommerprobleme!

 Winterblues Matschponys

Ich könnte nun auch die Vor- und Nachteile des Frühlings aufzählen, aber ich glaube ihr merkt es selbst: Das Leben ist, was man daraus macht. So ist das auch jetzt gerade, im nassen, kalten, ekligen Winter. Die leicht melancholische, depressive Stimmung vieler Menschen ist auch durch den Lichtmangel und den zum Teil einhergehenden Vitamin-D-Mangel zu erklären. Wenn möglich, sollten die ersten „Sonnenstunden“, also die Vormittage, denn von richtigem Sonnenschein kann man ja oftmals nicht sprechen, draußen genutzt werden, um die eigenen Vitamin-D-Tanks zu füllen.

Das ist für viele leider nicht möglich, da sie in dieser Zeit drinnen in der Schule oder auf der Arbeit sein müssen. Wer aus seinem Loch, seiner depressiven Verstimmung, nur noch schwer heraus kommt und diesen Zustand über mehrere Tage bis Wochen nicht verlassen kann, sollte daher einen Arzt oder nach Absprache einen Psychotherapeuten aufsuchen. Er kann abklären, welches Problem vorliegt und wie geholfen werden kann.

Denn den Winterblues kennen wir wohl alle, doch es darf kein dauerhafter Zustand werden!

Freunden wir uns also mit dem Winter an und am besten auch gleich mit allen anderen Jahreszeiten. Jede hat etwas Besonderes und Einzigartiges und jede verlangt uns und unseren Tieren auch entsprechend etwas ab. Akzeptieren und die Dinge so nehmen wie sie sind, anstatt dagegen ankämpfen zu wollen, könnte zum Beispiel eine dieser Lektionen fürs Leben sein.

2 Gedanken zu “Winterblues und Dunkelheit

  1. Oh dein Text spricht mir so aus der Seele!

    Ich bin mit meinem Pony im Oktober in den eigenen OS gezogen. Dazu habe ich natürlich ein zweites Pferd gekauft. Jetzt kam ich auf einmal überhaupt gar nicht mehr dazu irgendwas mit den Pferden zu machen. Höchstens mal kurz putzen und Hufe sauber machen. Sonst nur füttern, füttern vorbereiten, misten und sich danach selber putzen ehe man es wagen sollte das Haus zu betreten. Es ist zum verrückt werden! Wo ich im Sommer als Einsteller mit meinem Isi noch 4 – 5 mal die Woche mind. 1 Stunde ausreiten war, saß ich jetzt seit Oktober vielleicht 5 mal für max. eine halbe Stunde drauf.

    Da denkt man manchmal ans aufhören. Oder wie blöd man war die Pferde unbedingt ans Haus zu holen. Wo man doch woanders einen schönen Reitplatz oder sogar Halle hätte und sich nicht um alles kümmern müsste.

    Aber wenn ich mich dann wieder beruhigt habe sehe ich es wie du! Die Tage werden bald wieder länger und dann sieht die Welt auch wieder weniger matschig, dunkel und trübselig aus (gegen kalt habe ich ja nichts)

    Bis dahin schieben wir eben eine ruhigere Kugel. :o)

  2. Hallo,
    ich bin der Meinung mit der Entscheidung sich ein „Outdoortier“ anzuschaffen geht man eine Verpflichtung ein sich dort bei jedem Wetter blicken zu lassen und bin inzwischen sogar froh in einem Stall zu stehen wo es gar keine Halle gibt.
    Erstens würde sie mir im Moment noch nichts bringen, mein Stütchen ist noch nicht alt genug um geritten zu werden, zweitens wäre es für mich absolut keine Alternative 1-2 Stunden in der Halle mit ihr herumzugurken, da haben wir Beide mehr davon raus in die Natur zu gehen und dort alle Reize aufzunehmen und drittens bin ich sogar der Meinung dass man sehr gemütlich wird wenn man den Vorteil einer Haller erst einmal gewöhnt ist.
    Wie gesagt habe ich eine Stute die noch zu jung ist um geritten zu werden, was wäre dann die Alternative für mich? Obwohl den ganzen Tag auf der Koppel weiß mein Mäuschen genau wie spät es ist und wann es Zeit wird für unsere gemeinsame Spazier- und Schmusezeit.
    Tatsächlich habe ich ein Pferd das fast weniger im Regen spazieren geht als ich aber wie heißt es immer: „Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlecht angezogene Leute!“
    Wenn es regnet wird dann halt ein knielanger unansehlicher Regenmantel angezogen und wenn es im Winter zu kalt wird eben eine Thermohose über der Reithose.
    Somit ist mir sowohl die Kälte als auch die Nässe egal auch wenn es schon mal Tage gibt wo ich mein Mittagsschläfchen lieber länger ausfallen lassen würde.
    Da ich sowohl Hunde als eben auch ein Pferd habe ist diese Routine längst in meinem Leben bei jedem Sauwetter vor die Tür zu gehen.
    Und ganz ehrlich: Die Zeit mit meinem „Pony“ ist mein absoluter Ruhepol vom stressigen Arbeitsleben und so würde ich es missen auch nur einen Tag nicht in Kälte und Nässe hinauszugehen um meine Musestunden mit ihr zu verbringen.
    Wie du sagst: „Das Leben ist das was man daraus macht.“ Und wie auch bereits erwähnt finde ich jede Jahreszeit an sich reizvoll was wohl auch durch meine Tiere noch mehr unterstrichen wird, da ich sie mit ihnen in der Natur genießen kann.
    In diesem Sinne eine schöne Weihnachtszeit von mir und meinen 3 Mäusen, Simone

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