Vermenschlichung

Immer wieder kommt zu den unterschiedlichsten Themen der gleiche Vorwurf: Vermenschliche dein Pferd nicht zu sehr!

Doch was bedeutet das eigentlich genau? Man möchte uns damit sagen, wir würden die Biologie des Pferdes zu wenig berücksichtigen. Gleichzeitig zu sehr von unseren menschlichen Empfindungen auf das Pferd schließen. Daraus  entstünden dann die unterschiedlichsten Fehlschlüsse.

Ich denke aber, man muss bei diesem Thema zwei verschiedene Optionen unterscheiden und ganz unterschiedliche Rückschlüsse daraus ziehen.

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Biologisch sind unsere Pferde anders als wir Menschen gestrickt, da gibt es auch nicht viel zu deuten dran. Sie benötigen keine kuschlige 500 Gramm Decke, wenn wir unsere Winterjacke auspacken und legen auch nicht so einen gesteigerten Wert darauf, drinnen im beheizten Haus zu schlafen, wie wir. Ihre Wohlfühltemperatur ist eine andere und das muss man berücksichtigen. Pferde wollen nicht immer sauber sein und vertragen, sofern sie gesund sind, auch problemlos einen Regenschauer ohne entsprechende Decke. Diese Liste könnte man unendlich fortsetzen und ich gebe in all diesen Bereichen den Leuten Recht, die hier von zu viel Vermenschlichung sprechen. Wir müssen die Bedürfnisse unserer Pferde kennen und respektieren und dürfen nicht von uns auf sie schließen, dafür sind wir einfach viel zu unterschiedlich.

Es gibt aber noch eine zweite Option unter der man den Begriff „Vermenschlichung“ betrachten kann, nämlich die emotionale Option. In diesem Bereich wird meinem Empfinden nach deutlich zu wenig vermenschlicht! Sicherlich passieren hierbei auch Fehlschlüsse, besonders in Extremsituationen wie Trauer, Trennung, Stress usw. aber gerne wird diese Option auch ausgeblendet, denn sie nimmt uns Menschen in die Pflicht.

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Wir sollten unser Pferd wie unseren besten Freund behandeln! Und das ganz menschlich gesehen, denn hierbei haben unsere Spezies erstaunlich viele Überschneidungen. Wir sollten zuverlässig sein für unser Pferd und verantwortungsvoll mit ihm und seiner Freundschaft umgehen. Für seinen besten Freund nimmt man sich gerne Zeit, egal  ob es darum geht zusammen Spaß zu haben oder in schwierigen Zeiten füreinander da zu sein. Wir sollten unserem Pferd immer aufmerksam zuhören und es mit Respekt behandeln. Loyalität zu ihm und Unterstützung, wann immer es nötig ist, gehören ebenfalls dazu. Zudem ist Sicherheit ein sehr wichtiger Aspekt. Du würdest deinen besten Freund nie unnötig in Gefahr bringen und ihn immer beschützen, das gleiche sollte auch für dein Pferd gelten.

Das alles erfordert aber viel Zeit und Aufmerksamkeit von uns. Es ist nicht ausreichend erforscht wie sehr uns das Pferd wirklich braucht, es hängt auch stark von seinem ganz eigenen Charakter und seiner Haltung ab. Wenn wir uns aber an die oben genannten Punkte halten, wird es seine Zeit auf jeden Fall lieber mit uns verbringen, als im anderen Fall. Wir haben eine große Verantwortung übernommen und dieser sollten wir auch gerecht werden.

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In meinen Augen wird also leider gerne an den falschen Stellen vermenschlicht. Gib deinem Pferd die äußeren Umstände, die seinem Naturell entsprechen, aber behandle es so wertvoll wie deinen besten Freund, ohne dabei sein Wesen als Pferd, als Herdentier, Fluchttier und Steppenbewohner zu vergessen.

4 Gedanken zu “Vermenschlichung

  1. […] vermenschlicht werden sollen – einen lesenswerten Artikel hierüber gibt es übrigens bei Nordfalben zu lesen -, haben sie doch Gefühle, die wir respektieren sollten. Denn wenn ich mein Gegenüber […]

  2. Super schön beschrieben! Ich stimme dir zu. Vermenschlichung wohin das Auge sieht, nur eben nicht dort wo es dem Wesen Pferd wirklich gut täte. Da heißt es dann schnell: Es ist doch nur ein Pferd.
    Viele Grüße! 🙂

  3. Perfekt auf den Punkt gebracht. Da wo es den Menschen leicht fällt, vermenschlichen sie gerne: Die warme Flauschedecke, die kuschelige Box, das Futter und und und. Aber da wo man sich mehr an die eigene Nase fassen müsste, wird dann irgendwie nicht mehr vermenschlicht: Respekt, Zeit, Geduld, Hilfsmittel, Training usw. Genau wie du geschrieben hast. Danke für den schönen Artikel und liebe Grüße, Petra

  4. Dem möchte ich gerne vollkommen zustimmen!
    Super Kommentar!

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