Der richtige Kappzaum

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Unter fast jedem Bild auf dem eines meiner beiden Ponys einen Kappzaum trägt wird nach dem Hersteller gefragt. Es scheint eine immer größere Nachfrage an Kappzäume zu geben. Doch auf was genau sollte man dabei achten?
Grundsätzlich möchte ich Kappzäume in 2 Kategorien teilen, den breiten, gepolsterten Kappzaum wie z.B. den Wiener Kappzaum und den leichten, schmalen Kappzaum wie z.B. ein Cavecon.

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Selbstgemachter Biothanekappzaum mit Metallband im Nasenriemen und Lammfellpolster

Der breite, gepolsterte Kappzaum
Wichtig bei diesen Kappzäumen ist vor allem die Form des Naseneisens. Es muss zur Form des Pferdekopfes passen, so gibt es Naseneisen mit unterschiedlich vielen Gelenken oder auch welche ganz ohne Gelenk. Mit etwas Kraftaufwand lässt sich die Form oftmals noch ein wenig anpassen an das eigene Pferd, grundsätzlich muss aber darauf geachtet werden, dass der Nasenriemen möglichst vollflächig gleichmäßig am Kopf anliegt. Neben einem gut passenden Naseneisen ist ein Backen- oder Ganaschenriemen unerlässlich. Er verhindert, dass der Genickriemen bei seitlicher Einwirkung ins Pferdeauge rutschen kann.
Richtig verschnallt wird der Nasenriemen ca. 1 Finger unter dem Jochbein des Pferdes, der Kopf ist dort vergleichsweise stabil und unempfindlich, so dass der Nasenriemen fest verschlossen werden kann. Der Kappzaum muss so fest am Kopf des Pferdes sitzen, dass er nicht rutscht beim Longieren. Nur so ist eine präzise Einwirkung möglich. Negative Empfindungen wie z.B. ein Reiben auf der Nase oder ein Riemen der zu dicht ans Auge kommt führen zu Abwehrreaktionen und es ist kein vernünftiges Arbeiten mehr möglich.
Diese Art der Kappzäume eignet sich bestens für die Longenarbeit in allen Stufen der Ausbildung. Es kann am mittleren Ring longiert sehr gut an Stellung und Biegung gearbeitet werden und das Pferd lernt recht schnell eine Dehnungshaltung einzunehmen.
Mit einem breiten, gepolsterten Kappzaum lässt es sich präzise arbeiten, aber kleinere Fehler, die sich auf die große Distanz beim Longieren schnell mal ergeben, werden verziehen.

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Kappzaum Classic vom Loesdau bei der Stangenarbeit an der Longe

Der leichte, schmale Kappzaum
Er wird von vielen aus optischen Gründen bevorzugt, dabei eignet er sich gar nicht so gut zum Longieren wie ein breites, gepolstertes Modell.
Der Nasenriemen besteht meistens aus einer ummantelten Kette. Er wird ebenfalls mit etwas Abstand unter dem Jochbein verschnallt, wichtig ist vor allem, dass er nicht zu tief verschnallt wird. In einigen traditionellen Reitweisen wird ein schmaler Kappzaum gerne in Zwischenschritten der Reitpferdeausbildung benutzt, oft gleichzeitig mit einem Gebiss oder einer Kandare und wird dabei meist viel zu tief verwendet! Ein Backenriemen ist auch hier Pflicht.
Ein schmaler Kappzaum mit einer ummantelten Kette wirkt deutlich schärfer auf den Pferdekopf, daher rate ich von der Longenarbeit damit ab. Er darf nicht so fest geschlossen werden wie ein breiter, gepolsterter Kappzaum, wodurch er auch deutlich schneller rutscht und sich schon alleine deswegen nicht gut für die Arbeit auf Distanz eignet, dazu kommt, dass die kleinen Bewegungen der Longe direkt und ungepolstert auf den Nasenrücken weiter gegeben werden, was sehr unangenehm für das Pferd ist.
Diese Art von Kappzäumen eignet sich aber gut für eine fortgeschrittene Arbeit vom Boden aus, wie z. B. Handarbeit oder ähnliches und dem gebisslosen Reiten, da hier eine feinere Hilfengebung möglich ist.

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Islandkappzaum Tyr vom Krämer bei der Boden- und Zirkusarbeit

Eine weitere Einsatzmöglichkeit die ich ehrlich nennen möchte ist die Erziehung des Pferdes. Viele kennen den schmalen Kappzaum von Merlin und werden nun vielleicht etwas verwundert über meine Meinung hier sein, deswegen möchte ich kurz darauf eingehen.
Merlin hat eine schwierige Vorgeschichte und hat sich beim Longieren jahrelang entweder nach außen weggedreht und in die Longe eingewickelt oder aber komplett losgerissen. Es war kein körperliches Problem, sondern einfach sein Ponydickschädel sobald es ihm zu anstrengend wurde. Daher habe ich diesen schmalen, recht scharfen Kappzaum gekauft. Mit ihm habe ich eine Chance ihn festzuhalten wenn er es wieder versuchen sollte und so konnten wir an diesem Problem arbeiten. Mittlerweile macht er es nur noch ganz selten in Ansätzen, dreht sich aber dann eher nach innen und bleibt stehen. Daran können wir auch ohne scharfem Kappzaum arbeiten, deswegen habe ich ein Lammfell unter den Nasenriemen gemacht, der alles etwas mehr polstert. Ein Lammfell begünstigt allerdings das Rutschen noch mehr und ist damit auch keine vernünftige Dauerlösung für uns gewesen, mittlerweile bin ich auch auf einen breiten, gepolsterten Kappzaum umgestiegen für die Longenarbeit, werde aber den schmalen sicherheitshalber für Geländesprünge oder ähnliches erstmal behalten.

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Islandkappzaum Tyr vom Krämer ungepolstert bei den ersten Geländesprüngen

Es gibt noch weitere Varianten an Kappzäumen, zum Beispiel welche ganz ohne Metall im Nasenriemen. Hier ist der Nasenriemen aus 2- oder 3fach gelegtem Leder genäht oder aber aus Biothane zusammengebaut. Sie sind recht sanft, rutschen allerdings zwangsläufig am Pferdekopf, wodurch eine präzise Longenarbeit unmöglich ist. Ein simples „bewegen“ des Pferdes ist damit aber selbstverständlich möglich.
Von Nylonkappzäumen möchte ich persönlich stark abraten! Sie sind meist sehr minderwertig verarbeitet und vor allem nicht dazu geeignet wirklich fest um den Pferdekopf geschlossen zu werden. Das Nylon schnürt ein und scheuert, Metallschnallen drücken oftmals und der ganze Kappzaum rutscht am Pferdekopf herum.
Eine andere Variante sind noch sogenannte Semikappzäume. Sie sind nur ein Nasenriemen der entweder eine Kette enthält oder aus mehreren Lagen Leder oder Biothane besteht. Dieser wird zusätzlich zu einem Gebiss als Nasenriemen in ein Zaumzeug eingeschnallt und ermöglicht ein vierzügeliges arbeiten. Er sollte nicht für die Longenarbeit verwendet werden!

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Selbstgemachter Biothanekappzaum mit Metallband im Nasenriemen und Lammfellpolster

Mein Fazit:
Ein Kappzaum ist ein toller Ausrüstungsgegenstand für die Arbeit mit dem Pferd, aber man sollte sich gut überlegen was genau man damit vor hat und welches Modell dafür am besten geeignet ist.
Ein Kappzaum ermöglicht eine sehr genaue Positionierung des Pferdekopfes und durch den Einfluss auf den Kopf bekommt man Einfluss auf die gesamte Wirbelsäule.
Für die Longenarbeit eignet sich ein breiter, gut gepolsterter Kappzaum mit einem Naseneisen welches zur Form der Pferdenase passt. Er muss ordentlich geschlossen werden, damit er nicht rutscht und ein präzises Einwirken möglich ist.
Für Handarbeit, Bodenarbeit und gebissloses Reiten kann ein schmaler Kappzaum von Vorteil sein, da mit noch feineren Hilfen gearbeitet werden kann. Für die Longenarbeit ist er allerdings zu scharf und sollte nur in Ausnahmefällen zur Korrektur von wirklichen Problemen kurzfristig zum Einsatz kommen.

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Islandkappzaum Tyr vom Krämer mit Lammfellpolster an der Nase

Allen die gerne anfangen möchten mit einem Kappzaum zu arbeiten möchte ich, neben dem Rat sich einen guten Lehrer dazu zu holen, noch das Buch „Rückentraining mit dem Kappzaum“ empfehlen. Die Autorin erklärt neben dem vernünftigen Longieren am Kappzaum auch die notwendigen anatomischen Gegebenheiten, wie zum Beispiel die natürliche Schiefe des Pferdes, zeigt tolle Übungen um gezielt an der Rückenmuskulatur zu arbeiten und erklärt wie man diese Art der Arbeit auch im Sattel fortführen kann.

Eine ausführliche Anleitung zum selber machen eines Biothane-Kappzaums mit Metallverstärkung im Nasenbereich findest du >hier<.

4 Gedanken zu “Der richtige Kappzaum

  1. […] erklärt die unterschiedlichen Arten von Kappzäumen, die es […]

  2. […] habe immer die Meinung vertreten, dass eine gute und korrekte Longenarbeit am Kappzaum das einzig Wahre ist.  Das denke ich zwar immer noch, aber ich muss meine negative Meinung in […]

  3. Ich kann auch nur ein großes Dankeschön aussprechen. Der Beitrag war wirklich sehr informativ und hilfreich. Ich habe daraus einiges gelernt, was ich auch bei meinem eigenen Pferd anwenden kann.

    Liebe Grüße Sophia 😀

  4. Sehr Hilfreich!
    Danke Lina =)

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