Zeit zu zweit

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Ruhe ist ein wertvolles Gut in unserer momentanen Gesellschaft. Jeder ist im Stress, überall ist es laut und unruhig um einen herum und es wird erwartet, dass man dauerhaft online, erreichbar und verfügbar ist.

Für die allermeisten sind die Pferde ihr Hobby. Es soll eigentlich ein Ausgleich zum stressigen Job und Alltag sein, doch wir nehmen unseren Stress, unsere Unruhe und unsere Unaufmerksamkeit mit in den Stall. Pferde sind viel sensibler für solche Sachen als wir Menschen, sie sind zum Glück noch nicht so abgestumpft wie wir. Wir tun also nicht nur uns selbst etwas schlechtes, sondern unsere Pferde leiden mit darunter.

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Wie oft kommt man in den Stall und unterhält sich erstmal mit jemandem über den neusten Klatsch, noch bevor man sein Pferd begrüßt hat. Während dem Putzen wird weiter geplaudert und zwischendrin das Handy gecheckt, neue Emails oder Nachrichten gelesen und kurz etwas bei Facebook kommentiert. Beim Sattel holen gerät man noch blöd mit einer Miteinstellerin aneinander, weil beide unachtsam waren und wirft genervt den Sattel aufs Pferd. Das Pferd hampelt aber auch rum heute! Während dem Ritt auf dem Platz ärgert man sich über den Mitreiter der ohne aufzupassen seine Linien durchzieht, ein weiterer Reiter telefoniert während dem Trockenreiten um einen herum und das Radio ist an, leider der falsche Sender für den eigenen Geschmack. Oder aber man reitet ganz entspannt in der Gruppe zusammen aus, es wird reichlich getratscht, nebenbei eine SMS verschickt und sich geärgert, dass das Pferd nicht neben der neuen Stute laufen will, nur weil diese die Ohren anlegt sobald man nebeneinander ist. Dabei hat ihre Reiterin doch die interessantesten Geschichten zu erzählen. Wieder im Stall wird schnell abgesattelt  und das Pferd weggebracht, man hat schließlich keine Zeit und ist sowieso schon viel zu lange da, weil man sich verquatscht hat…

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Ja, dieses Szenario ist sehr plakativ und sicherlich auch ein wenig überzogen, aber ich denke, es wird klar, worum es geht. Man verbringt drei Stunden im Stall mit seinem Pferd und hat trotzdem keine Zeit für es. Man ist unachtsam und unaufmerksam und das Pferd übernimmt den Stress und die Unruhe.

Wir sollten wieder mehr darauf achten, die Zeit zusammen zu genießen. Ganz bewusst. Sozialkontakt ist auch für uns Menschen sehr wichtig, aber muss es gleichzeitig sein? Ein Handy ist im Stall unerlässlich, aber muss der Ton oder Vibrationsalarm an sein? Multitasking ist ein Märchen, wir können es nicht. Schon gar nicht mit der vollen Aufmerksamkeit auf allen Dingen!

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Genießt die Zeit zu zweit doch mal wieder bei etwas entspanntem und spaßigem zusammen. Das können ganz unterschiedliche Sachen sein, je nach Pferd-Mensch-Paar zum Beispiel ein schöner Spaziergang durch den Wald, ein gemütlicher Ausritt am langen Zügel oder auch einfach zusammen auf der Koppel in der Abendsonne sein und dem Pferd beim Grasen zusehen. Wichtig ist, dass man etwas wählt, was beiden Freude macht und wobei man möglichst ungestört die Zeit genießen kann.

Ich versuche mir nun wenigstens einmal pro Woche bewusst diese Zeit zu zweit zu nehmen mit jedem der Ponys. Einen gemütlichen Ausritt mit Merlin alleine zu machen und einen schönen Spazierganz mit Faxe. Mein Handy schalte ich stumm im Stall, es ist nur für Notfälle dabei. Unterhaltungen führe ich vor oder nach den Pferden, wenn es geht, nicht mehr während ich mit ihnen zusammen arbeite.

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Dadurch bekommt man wieder einen aufmerksameren Blick finde ich. Zuhause beschleicht mich nicht mehr das ungute Gefühl, etwas vergessen oder übersehen zu haben und ich merke, wie ich in meinem Hobby wirklich wieder Kraft tanken kann. Es ist nicht ein weiterer Punkt der täglichen Liste die abgearbeitet werden soll, sondern es ist meine Freizeit. Die Pferde danken es einem, sie sind zugänglicher und ruhiger, selbst ansprechbarer und aufmerksamer mir gegenüber.

Nutzt die Zeit zu zweit so positiv wie es nur geht, es bereichert das eigene Leben und vor allem auch das der Pferde ganz entscheidend. Sie können nicht einfach gehen, wenn wir ihnen zu viel Trubel bringen, das dürfen wir nicht vergessen.

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9 Gedanken zu “Zeit zu zweit

  1. […] Massage fördert einerseits die Zweisamkeit, das Vertrauen und die Bindung zwischen Mensch und Pferd, andererseits aber auch die […]

  2. […] verbringe die Weihnachtsfeiertage demnach ganz entspannt mit meinen drei Ponys und nehme mir bewusst noch mehr Zeit für sie. Wir machen einen schönen Spaziergang (mit dem neuen Halfter) zusammen und verbringen eine schöne […]

  3. […] Sollte ich ein­mal unkon­zen­triert sein, for­dert mein Pfle­ge­pferd die Kon­zen­tra­tion sofort ein. Sie ist sehr schlau: einen Moment unauf­merk­sam und sie nutzt die Chance, um etwas zu tun was sie nicht soll… Das heißt, meine Gedan­ken kom­men gar nicht dazu abzu­schwei­fen, weil mich mein Pfle­ge­pferd gleich dar­auf auf­merk­sam macht! Ich genieße die Zeit zu zweit. […]

  4. […] und absolut empfehlenswert. Ganz ähnlich bin ich darauf bereits schon einmal in meinem Artikel „Zeit zu zweit“ […]

  5. […] von den negativen Gefühlen die Lästereien und Neid anderer dir gegenüber auslösen, kommst du deinem persönlichen Glück ein ganzes Stück näher. Ich habe die richtigen Mittel dazu für mich leider noch nicht gefunden, […]

  6. […] zueinander werden sich festigen und man wächst zusammen an diesen Erfahrungen. Wichtig bei dieser Zeit zu zweit ist aber, dass wir als Pferdemenschen eine bewältigbare Herausforderung aussuchen. Alles andere […]

  7. schön geschrieben :-) <3

    Ich habe das Glück die Pferde zu Hause zu haben, da gibt es kein Quatschen und Telefon liegt in der Sattelkammer max für ein Foto…. Dafür habe ich einfach viel Arbeit. Dann ist hier wieder bei der Ziege der Wassereimer von meinem Schwein umgeschüttet. Da ist noch die Tränke schmutzig. Heu ist schon wieder alle. Die Litze ist beim Sturm am Longierzirkel gerissen. Die Halle schon wieder trocken und voller Spinnweben….
    Dann gibt es keine Störungen von Außen, dann braucht es immer wieder Konzentration, weg von der Arbeit – hin zur Muse. Immer wieder erinnern an das Wesentliche!! Zeit, Nähe, Freude!!

  8. Was für ein wunderschöner Artikel <3 Ich habe das Glück an einem Stall zu sein, an dem nicht mit dem Handy telefoniert, nicht getratscht und nicht gestritten wird an der Sattelkammer. Alles sind sehr auf ihr Pferd fokussiert 😉 Wir tratschen kurz, aber nachdem die Pferde weggebracht sind oder beim gemeinsamen Spaziergang. Ich liebe das und könnte es mir gar nicht anders vorstellen. Dafür ist die Pferdezeit zu kostbar und ich persönlich finde es auch den Pferden gegenüber zu unhöflich. Es ist unsere Verantwortung den Trubel nicht zu den Pferden zu bringen, sondern ihnen Ruhe und Aufmerksamkeit zu schenken. Dafür machen sie uns das Geschenk der inneren Gelassenheit und im Grunde schenken sie uns Glück. Auch wenn das jetzt sehr kitschig klingen mag. Alles Liebe, Petra

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